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Die
Diagnose Borderline Störung ist ein noch junger Begriff, wobei die Störung als
solche bereits im 17ten Jahrhundert von dem Arzt T.Sydenham beschrieben wurde.
Die Menschen fielen auf durch ihre „heftige Launenhaftigkeit; sie würden ohne
jedes Maß jene lieben, die sie alsbald ohne jeden Grund hassen würden; die
außerordentlichen Aufregungen des Geistes entstünden aus plötzlichen und
heftigen Ausbrüchen von Wut, Schmerz und Angst.“
Das
Borderline Syndrom gehört zu den Persönlichkeitsstörungen. Im allgemeinen zeigt
sich hier ein durchgehendes Muster von Instabilität im Bereich der Stimmung, der
Affekte, der zwischenmenschlichen Beziehungen und des
Selbstbildes.
Der
Betroffene bleibt an den Spitzen der Polaritäten hängen (gut/böse,
Allmacht/Ohnmacht, Autonomie/Selbstaufgabe, Größenideen/Entwertung), und ist in
der Regel nicht in der Lage Zwischentöne wahrzunehmen.
D.h. zum
Beispiel: es gibt „gute Menschen“ und „böse Menschen“, die vermeintlich Guten
werden idealisiert, die Bösen abgewertet. Natürlich kann in einer Beziehung auch
ein Wechsel – in der Regel von „ideal“ hin zu „absolut schlecht“ – statt finden,
was meist mit unversöhnlichem Kontaktabbruch endet.
Ein
zentraler Punkt ist die Beziehungssehnsucht, die fatalerweise mit ebenso großen
Ängsten vor tiefer Nähe einhergeht. Diese Widersprüchlichkeit läßt sich mit dem
Satz :“Halte mich fest, aber faß mich nicht an“ , recht gut bildlich darstellen.
In der Regel findet man im Kreis der Betroffenen eine Unfähigkeit der
Konfliktverarbeitung. Auch ganz alltägliche Konflikte werden häufig mit sogen.
Spaltungsmechanismen beantwortet, in dem Versuch den Konflikt nicht existent zu
machen. Dabei kommt es zu einer Vermischung von Phantasie und Realität, was
wiederum oft zu Allmachtsgedanken (magisches Denken) oder völligen
Ohnmachts-gefühlen führt und in Depersonalisation oder heftigem agieren bis zu
selbstverletzendem Verhalten ausgelebt, bzw. abgebaut wird. Agieren – und damit
die Welt im Außen in Bewegung setzen, sprich den inneren Aufruhr ins Außen
tragen – und Selbstverletzung dient der Spannungsreduktion. Es geht darum den
unerträglich gewordenen inneren Druck abzubauen, was häufig mit hoher Dramatik
geschieht. Oft findet sich eine tiefe Wut darüber, daß die Welt die
kindhaft-phantastischen Träume über die Gestaltung des Lebens nicht
zuläßt.
Das
Borderline Syndrom beinhaltet etliche weitere Symptome, die in sehr
unterschiedlicher Stärke und selten alle gemeinsam vorliegen. So findet sich
u.a. meist eine hohe, aber unbewußte Sensibilität für die Authentizität des
Gegenübers, sowie die Unmöglichkeit sich emotional von der Umgebung, auch den
unausgesprochenen Stimmungen abzugrenzen. Allzuleicht agiert die Person, die von
ihr unbewußt wahrgenommenen Stimmungen aus, die eigentlich nichts mit ihr/ihm
selbst zu tun haben und/oder verrennt sich in irrealen Interpretationen, die
dann an der eigenen Person negativ festgemacht werden können oder das gut/böse
Bild im Außen bekräftigt. Weiterhin sind die Personen oft sozial aktiv mit
starkem Engagement, jedoch ohne Durchhaltevermögen. Daraus ergibt sich in der
Regel eine zerrissene, instabile Schul- und
Berufslaufbahn.
Für die
direkte Umgebung einer Person mit Borderline syndrom ist Standhaftigkeit und
Authentizität die nötigste und beste Übung. Dieser Mensch braucht eine Art Anker
in dieser Realität, in der er/sie nach Sicherheit sucht, die es in diesem Maß
gar nicht gibt. Die Umgebung braucht Klarheit und eine klare verbindliche
Struktur, da es durch die Gut/böse Aufteilung und das heftige agieren leicht zu
Spaltungen im Umfeld kommen kann.
Der Mensch
mit einer solchen Störung sollte eine Ich-Stärkung erfahren; lernen daß es
zwischen den Polaritäten Zwischentöne gibt; Umgang mit den Trennungsängsten und
Konflikten, sowie Integration der abgespaltenen Anteile müssen angestrebt
werden.
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